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Inklusion macht Spaß und braucht Begeisterte

Im März berichtete der Klein Borsteler über das Abenteuer Baltic Sea Circle, das Sozialarbeiter Jörn Brücken aus Klein Borstel mit der „All Inklusiv Crew“ aus Bargteheide unternehmen wollte: Mit einem alten, restaurierten VW-Bus einmal rund um die Ostsee. 7500 Kilometer von Hamburg über das Nordkap, Murmansk, St. Petersburg, Kaliningrad, Talinn und wieder zurück nach Hamburg – ohne die Benutzung von Navigationsgerät und Autobahnen. Inzwischen ist das Rennen erfolgreich bewältigt. Zeit für einen kleinen Rückblick direkt aus der Fahrerkabine:

Inklusion ist in unserer politischen und gesellschaftlichen Landschaft mittlerweile zu einem Kampfbegriff geworden. Aus einem selbstverständlichen: Jedes Leben zählt, jede und jeder gehört dazu und gemeinsam sind wir viele und viele sind vielfältig – also aus einem Positivum in Bezug auf Gemeinschaft und Zusammenhalt – erwächst für viele ein Gefühl der Bevormundung, der Einschränkung, des verordneten Rücksichtnehmens. „Warum immer auf die Letzten warten? Warum in der Schule den Lerneifer unserer Kinder bremsen, nur damit auch behinderte Kinder mitgetragen werden? Und wir könnten das ausweiten – auf Frauen, auf MigrantInnen, auf Andersgläubige, auf Andersfühlende … diese ewige politische Korrektheit ist ein Spleen der Gutmenschen und strengt ungeheuer an. Alle Normalmenschen sowieso. Und so gesehen ist Inklusion etwas für Moralisten und Spaßverderber. Auf jeden Fall anstrengend und spaßbefreit! Ich fasse zusammen: Inklusion ist kein Begriff und schon gar kein Geschehen, das Menschen freudig in Bewegung bringt. Und gern wird Inklusion dann an die Fachdisziplinen verwiesen; die Sozialarbeiter, die Streetworker, die Pädagogen in Schulen und Bildungswerken, die Gleichstellungs- und die Behindertenbeauftragten. Und damit raus aus dem eigenen Vorgarten, der eigenen Nachbarschaft, und letztlich dem eigenen Verantwortungsbereich.
Und dann kommt da eine Idee, ein fast irre klingendes Projekt: Mit einem Schrottauto einmal rund um die Ostsee fahren. Als All Inklusiv Team. Mit Menschen aus der Nachbarschaft und Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. Blind, suchtkrank, Heimbewohner, chronifiziert, kommunikationsgestört, beziehungseingeschränkt – doch alle beseelt von dieser einen Idee: Jede und jeder von uns trägt etwas dazu bei, dass diese Tour gelingt – eine Tour, die auch für sogenannt Normalmenschen eher einer Tortur denn einer Urlaubsfahrt ähnelt. Ohne Navi, ohne Autobahnen – auf Abenteuertrip in unbekannte Welten. Und es wächst eine Begeisterung im umliegenden Sozialraum, es finden sich immer mehr Unterstützer, die Follower auf facebook und WhatsApp werden zeitweise fünfstellig. Weil Begeisterung und Freude ansteckend sind. Weil plötzlich Identifikation entsteht: Das sind unsere Leute, unsere Bargteheider. Unsere Botschafter für ein selbstbestimmtes gemeinsames Ziel.
Und ob sich das nun um Fußball handelt (die Weltmeisterschaft läuft parallel in Rußland und unsere Crew wird oft mit Fans des runden Leders verwechselt) oder um Leistungs- und Freizeitsport oder ein Musikfestival oder eine Pilgerreise auf dem Jacobsweg – es ist das gemeinsame Interesse, das verbindet. Die gemeinsame Aktion, das Aufeinander-Angewiesen-Sein. Und eben nicht die Diagnose, die Einschränkung, der Hilfebedarf. Und mal ehrlich: Wer will im Fußballstadion oder am Lagereuer auf den Lofoten oder auf dem Mount Everest oder dem Nordkap schon erkennen, wer auf welche Art behindert ist? Denn plötzlich ist ob der gemeinsamen Aktion die Behinderung so etwas von egal – Freude, Sportsgeist, Begeisterung oder Dazugehörigkeit kennen diese Kategorie nicht. Weil sie in diesem Zusammenhang nicht zählt. Nicht wichtig ist. Nicht behindert.
Ein Teilnehmer der All-Inklusiv-Crew war in seinem früheren Leben einmal Fernfahrer. Ohne seinen Fachverstand für Motoren und Tourbus-Innereien wären sie schon in Südschweden buchstäblich auf der Strecke geblieben. Ob es in den Momenten wohl sehr egal war, ob er ansonsten auch unter einem Handicap leidet? Er hat sich die Tour zugetraut, hat sich auf die Vorbereitungen und die Assistenzen eingelassen – und war plötzlich Tourentscheidendes Crew-Mitglied. Er hatte etwas einzubringen – war einzigartig und wichtig.
Die anderen, dieses Mal daheimgebliebenen Crewmitglieder versorgten die Fans und Interessierten mit zeitnahen Reiseberichten, sie organisierten die Unterstützung, hielten Kontakt und standen „Gewehr bei Fuß“. Hatten jede und jeder die eigene und unverzichtbare Aufgabe als Beitrag zum gemeinsamen Gelingen.
Und plötzlich war Inklusion nicht mehr anstrengend, nicht mehr nervig oder behindernd – sondern entfachte Begeisterung, sozialen Zusammenhalt, ermöglichte ein lang wirksames und nachhaltiges Abenteuer – und hinterließ bei allen Beteiligten die Gewissheit: Ich kann etwas, ich bin etwas und mein Dabeisein zählt.
Inklusion braucht Begeisterte. Braucht Wagemutige. Braucht Ehrgeiz, Spaß und Herausforderung. Braucht Unterstützer und Daran-Glaubende. Und manchmal auch eine Stiftung wie die Evangelische Stiftung Alsterdorf oder deren Tochterfirma tohus, die den Rahmen dazu bietet.

Pastor Eckard Drews, Geschäftsführer tohus

Canastaspieler gesucht

Immer am ersten Montag im Monat lädt der Heimatverein ab 19 Uhr die Kartenspieler/innen in Klein Borstel zum gemeinsamen Reizen und Zocken. Dann wird im Familienzimmer vom Gemeindehaus ein ordentlicher Skat gekloppt – und eigentlich kann auch Canasta gespielt werden. Die Betonung liegt allerdings auf „eigentlich“, denn seit einiger Zeit fehlen hierfür genügend Mitspieler/innen. Vielleicht findet sich ja der eine oder die andere, um die entstandenen Spielerlücken zu fühlen. Interessenten können sich für weitere Infos gerne bei Arnold Meinecke unter Tel. 5935 37 88 melden.

Musikalischer Nachmittag

Zum Adventskaffee des Heimatvereins steht traditionell ein weihnachtlicher Nachmittag auf dem Programm. Musikalischer Gast am Samstag, dem 9. Dezember um 15 Uhr ist wieder Friedrich Schliemann – Hamburgs einziger singender Gynäkologe. Der vielseitige und ehemals vielbeschäftigter Hamburger Doktor hat ein besonderes Hobby: Bei Gelegenheit schlüpft er gerne in die Rolle eines liebeskranken Jünglings oder abenteuerlustigen Herings. Dann erfreut er seine ständig wachsende Fan-Gemeinde mit Liedern von Richard Germer, einem bekannten norddeutschen Komponisten und Balladen-Sänger der sechziger und siebziger Jahre. Zum unterhaltsamen Programm gibt es im Familienzimmer vom Gemeindehaus an der Stübeheide natürlich auch wieder Kaffee, Torte und Kuchen für alle Gäste sowie ein kleines Geschenk. Der Preis für den adventlichen Nachmittag beträgt für Mitglieder des Heimatvereins 16,- Euro, andere Gäste zahlen 20,- Euro. Telefonische Anmeldung unter 536 51 04 bei Manfred Thiele.

Adventskonzert im Michel

Wenn 150 Hamburger Fünftklässler aufgeregt ihre Kerze in der Hand halten und zu klassischer Musik feierlich durch die dunklen Gänge des Michels schreiten, ist es wieder soweit: Das große Adventskonzert des Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG) strebt seinem emotionalen Höhepunkt zu. Die Kinder nehmen auf den Emporen Aufstellung, das Licht ist aus, von allen Seiten strahlen die Kerzen und die Gesichter. Dann erklingen die hellen Stimmen. Der „Quempas“ ertönt im Wechsel aus verschiedenen Richtungen, der Schulchor mit den älteren Mitschülerinnen und Mitschülern antwortet. Seit Beginn des Schuljahres haben sich Orchester- und Vokalklassen, Chöre und Instrumentalensembles auf dieses Konzert vorbereitet. Das Konzert steht allen offen, die einen festlichen musikalischen Abend in der Adventszeit erleben möchten. Gespielt werden u.a. Werke von J.S. Bach, G.F. Händel und L. Bernstein. Am Dienstag, dem 4. Dezember um 19.30 Uhr in St. Michaelis. Eintritt: Erwachsene 10 Euro, Kinder Euro, Familien 20 Euro. Karten unter Tel. 040 – 428 93 36-0 oder an der Abendkasse.

Plakatwand in Klein Borstel

Die Stellwand vom Heimatverein Klein Borstel steht im Dorfkern – direkt vor Mein Friseur Meinecke an der Stübeheide. Hier lassen sich Veranstaltungen und andere nicht-gewerbliche Informationen veröffentlichen. Allerdings soll hier nicht wahllos angeklebt werden. Wer Interesse hat, den Platz für eine Ankündigung zu nutzen, kann sich wenden an: Jürgen Bergner, Tel.0170 – 930 93 71

Danke für ein buntes Jahr

Es ist tatsächlich wieder soweit: Das Weihnachtsfest rückt näher – kurz später folgt der Jahreswechsel mit leuchtendem Feuerwerk und schon ist 2018 ganz uncharmant ins Archiv abgeschoben. Lange Rede, kurzer Sinn – für die Herausgeber des Klein Borstelers ist es hiermit an der Zeit, ein Resümee zu ziehen und uns zu bedanken. Unsere Stadtteilzeitung erschien in seinem 68. Erscheinungsjahr. Noch zwei Jahre durchhalten, dann dürfen wir ein rundes Jubiläum feiern. Wir stellen mit Begeisterung fest: Die Zeitung ist beliebter und lebendiger als jemals zuvor. Und das liegt daran, dass dieser Stadtteil so lebendig ist, denn der Klein Borsteler ist doch in gewisser Weite sein Spiegelbild. Nach wie vor entsteht die Zeitung unter dem schützenden Dach des Heimatvereins, aber wir freuen uns, dass so viele Aktive im Stadtteil die Zeitung nutzen, um ihre Veranstaltungen publik zu machen. Da gibt es Kulturelles, die Kirche mit ihrem bunten Gemeindeleben, politische Themen, Unterhaltung, Leserbriefe, Sport und auch Kritisches – alles Wichtige und Interessante vor Ort soll seinen Platz bekommen, wenn die Redaktion davon erfährt. Also bitte: Versorgen Sie uns auch 2019 mit Ihren Tipps und Terminen.
Das zuverlässige Erscheinen unserer Zeitung verdanken wir vor allem einer Vielzahl treuer Inserenten. Sie sorgen jeden Monat – und das zum Teil seit Jahrzehnten – mit ihren Anzeigen dafür, dass die Druckkosten kein Problem sind. Ihnen gilt, wie immer, unser besonderer Dank! Die bunte, inhabergeführte Geschäftswelt in Klein Borstel ist sicher auch ein Grund dafür, dass dieser Stadtteil ein so beliebtes Wohnquartier ist. Deswegen wünschen wir uns für unsere Anzeigenkunden auch im kommenden Jahr stabile und gerne steigende Umsätze. Nicht zuletzt danken wir auch Ihnen – unseren Leserinnen und Lesern. Wir wissen durch zahlreiche Gespräche, Mails und Briefe, dass der Klein Borsteler von vielen gern und aufmerksam gelesen wird. Das freut uns jedes Mal sehr, denn das Lob ist doch der schönste Lohn! Aber, wenn es sein muss, dürfen Sie natürlich auch anmerken, wenn Ihnen etwas mal nicht gefällt. Für konstruktive, ehrliche Kritik haben wir immer ein offenes Ohr. Wir wünschen Ihnen eine wunderbare Weihnachtszeit und freuen uns auf das kommende Jahr mit Ihnen allen!

Manfred Thiele – Ilka Mamero – Eva Drechsler-Györkös