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Altes oder neues Zuhause für Speeldeel-Kulissen

Es war Mitte der 1990er Jahre ein Handschlag zwischen Manfred Thiele, dem damaligen Ersten Vorsitzenden des Heimatvereins, und dem späteren Bezirksamtsleiter Harald Rösler, der besiegelte, dass es der Speeldeel, der plattdeutschen Theatergruppe des Vereins, fortan erlaubt war, ihre Theaterkulissen auf einem ungenutzten städtischen Gelände an der Alster zu deponieren. Ganz hanseatisch eben. Etwas Schriftliches zu dieser Erlaubnis gibt es nicht. Ein langjähriges gutes Miteinander zwischen Verein und Bezirk schien das nicht nötig zu machen. Denn bereits weit vorher – Anfang der 60er Jahre – war der Speeldeel – dank einer vom Bezirksamt geschenkten, ausrangierten Kita-Baracke – ein Zuhause für ihre Kulissen und Proben auf einem städtischen Grundstück in der Straße Borstels Ende, Ecke Övern Barg zur Verfügung gestellt worden. „Als die Stadt Mitte der 90er Jahre aus Geldnot einige ihrer Grundstücke verkaufte, gehörte auch dieses dazu und es musste eine Alternative her“, berichtet Manfred Thiele. Man fand sie an der Wellingsbütteler Landstraße 73, direkt an der Alster, hinter dem Recycling-Platz. Der Heimatverein kaufte im Hafen zwei Container und hatte jetzt zumindest ein neues Zuhause für die vielen Kulissenteile. Knapp 25 Jahre lang „lebte“ man hier in friedlicher Koexistenz – später auch mit dem auf dem Gelände untergebrachten Mädchen-Stamm Chersonisos des Pfadfinder- und Pfadfinderinnenbunds Nord.
Vor rund zwei Jahren kamen dann allerdings aus dem Bezirksamt Nord die ersten Signale, dass der Verein für die Container wohl einen neuen Stellplatz suchen müsste. Das Gelände wird inzwischen von Schwanenvater Olaf Nieß genutzt, „unter anderem zur Rekonvaleszenz von Tieren, wenn die Kapazitäten an der Dienststelle in Eppendorf erschöpft sind oder bei der Aufzucht von Schwanenküken unter erforderlichen, besonders geschützten Bedingungen“, heißt es aus dem Bezirksamt, das zu der Handschlag-Vereinbarung heute sagt: „Die Container sind getragen von Wünschen aus dem politischen Raum vor vielen, vielen Jahren mit Duldung des Bezirksamts dort aufgestellt worden – immer mit der Ansage, dass es sich um ein Provisorium handelt, das spätestens mit der Herrichtung der Fläche als Ausgleichsfläche enden würde.“
René Lüben, der beim Heimatverein die Verantwortung für den Auf- und Abbau der Theaterkulissen trägt, führte daraufhin mehrere Gespräche mit dem Bezirk – auch mit Olaf Nieß – die darauf hinzudeuten schienen, dass man eine gemeinsame Lösung finden wolle.
Umso überraschter war man dann allerdings beim Vorstand des Heimatvereins, als Anfang April plötzlich ein Schreiben aus dem Bezirksamt von der Abschnittsleitung für Ordnungswidrigkeiten und Wildplakatierung ankam, in dem es heißt: „Wie Ihnen vielleicht schon aufgefallen ist, wurde (…) ein neuer Zaun aufgestellt. Die Errichtung des Zaunes wurde von unseren Fachämtern für Stadtgrün gemeinsam mit dem Fachbereich für das Hamburger Schwanenwesen veranlasst.
Hintergrund ist u.a., dass es in der Vergangenheit immer wieder zu Störungen und Verängstigungen der dort im Nachbargebäude untergebrachten Tiere gekommen ist. Ebenso wie kleinere und größere Sachbeschädigungen und Verunreinigungen am Nachbargebäude des Schwanenwesens und auf dem dazugehörigen Gelände (zerstörte Fensterscheiben und Türen und Rolltore, Graffiti an Hauswänden, Müll und Unrat auf dem Grundstück, u.a.). Bezugnehmend auf Ihre Container, fordere ich Sie hiermit auf diese zeitnah zu entfernen.“ Als Frist für den Verein wurde der 30. April genannt.
Der Heimatverein Klein Borstel weist die Vorwürfe zu Sachbeschädigungen und Verunreinigungen entschieden zurück und die beiden Vorsitzenden Arnold Meinecke und Sven Mamero wollen mit dem Bezirksamt klären, was es mit der plötzlichen Fristsetzung auf sich hat. Unterstützung kommt dabei von der CDU-Bezirksabgeordneten Martina Lütjens, die als Schriftführerin des Heimatvereins in Kenntnis gesetzt war und über eine parteiliche Anfrage das Bezirksamt zu Antworten aufgefordert hat.
„Wir sind gar nicht in der Lage, die Container so schnell zu entfernen, gerade auch in der aktuellen, eingeschränkten Situation, in der wir uns durch die Corona-Pandemie befinden“, betont Arnold Meinecke. Der erwähnte neue Zaun, der im März um das Areal vom Hamburger Schwanenwesen aufgebaut wurde, führt im Moment dazu, dass dem Heimatverein ein direkter Zugang zum Gelände und seinen Containern gar nicht möglich ist.
Auf Nachfrage des Klein Borstelers kamen aus dem Bezirksamt vorsichtig optimistisch simmende Töne: „Das Bezirksamt befindet sich im Austausch mit dem Verein, die Container woanders zu deponieren und strebt an, mit dem Verein eine Lösung zu finden“, so Pressesprecher Daniel Gritz. Und auch Schwanenvater Olaf Nieß sagte in einem persönlichen Gespräch mit der Redaktion, dass dem Bezirk immer an einer guten Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen der Vereine im Bereich Nord gelegen sei.

Dennoch richtet der Heimatverein hiermit auch einen dringenden Aufruf an alle seine Mitglieder und Freunde: Wer helfen kann, einen neuen Stellplatz für die beiden Kulissen-Container zu finden, wer ein brachliegendes Grundstück kennt, das dafür geeignet wäre, der möge sich bitte melden: Arnold Meinecke freut sich über einen Anruf unter 040 – 593 537 88. Kontakt per E-Mail ist möglich an: arnold.meinecke@meinfriseur.de oder sven.mamero@heimatverein-kleinborstel.de

Seelsorge-Hotline

Die neue Seelsorge-Hotline der Nordkirche ist an den Start gegangen. Hier finden Menschen mit emotionalen und psychischen Belastungen Hilfe. Ab sofort sind ausgebildete Seelsorgerinnen und Seelsorger der Nordkirche bis auf weiteres täglich von 14 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer 0800 – 454 01 06 erreichbar.